#3.4 - Die Morgenmacher - Das Gedächtnis des Bodens
Shownotes
Website Kommission Bodenschutz am Umwelt Bundesamt Website Bundesverband Boden Website Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft Website Bodenwelten
Host: Dörte Behrmann, Klimahaus Bremerhaven Produktion: Dezett Image Daniel Zaidan, Bremen Musik: Smart Brain
Lauscht der nächsten neuen Folge von** GradWandel - Staffel Morgenmacher** immer am letzten Dienstag des Monats. GradWandel findest du überall, wo es Podcasts gibt – und natürlich auch auf unserer Website unter www.klimahaus-bremerhaven.de Das Klimahaus Bremerhaven bei Instagram LinkedIn Website Klimahaus
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00:00:01: Musik
00:00:05: Klimahaus Bremerhaven: Wann hast du das letzte Mal bewusst den Boden unter deinen Füßen verspürt? Und damit meine ich nicht den Stein- oder Betonboden, der unsere Städte dominiert. Sondern reinen Naturboden. Na, könnte schon eine Weile her sein, oder? Schau doch mal gedanklich nach unten - was siehst du? Waldboden? Acker? Wiese?
00:00:25: Peter Grathwohl: Viele meinen ja, Boden ist eigentlich Dreck, aber die Landwirte sehen das ganz anders. Die verstehen schon den Wert der Böden.
00:00:31: Klimahaus Bremerhaven: Dreck für die Einen, wertvoll für die Anderen – für uns ist der Boden, sein Schutz aber auch seine Verunreinigung heute Thema der neuen Podcastfolge. Und damit herzlich willkommen bei GradWandel, dem Podcast aus dem Klimahaus Bremerhaven. Ich bin Dörte, arbeite im Klimahaus Bremerhaven als Pressesprecherin und begrüße dich herzlich. Dies ist die vierte Folge in der wir sogenannte „Morgenmacher“ vorstellen; also Konzepte, die dazu beitragen, und Menschen, die daran arbeiten, dass unsere Erde trotz Klimawandel lebenswert bleibt. Und dazu gehört auch Peter Grathwohl, der Experte, den wir eben gehört haben. Mit ihm und einer weiteren Expertin – Dr. Gabriele Broll – möchte ich heute also deine Aufmerksamkeit auf das Erdreich zu unseren Füßen lenken. Denn Boden ist spannend – und er braucht unseren Schutz, auch im Zusammenhang mit dem Klimawandel.
00:01:26: Musik
00:01:31: Klimahaus Bremerhaven: Lass mich dir zunächst unsere beiden Gäste vorstellen. Dr. Gabriele Broll habe ich eingeladen, weil sie bis Ende 2024 als Professorin das Fachgebiet Geoökologie und Bodenkunde am Institut für Geographie der Universität Osnabrück leitete und schon ihr ganzes Berufsleben dem Boden gilt. Statt reiner Theorie geht es in ihrer Arbeit um ganz große Fragen: Wie steht es um unsere Böden? Wie verändern Klimawandel und Landwirtschaft unsere Ökosysteme? Und wie können wir diese lebenswichtige Ressource schützen? Mit ihrer Forschung schlägt sie die Brücke zwischen klassischer Geowissenschaft und modernem Umweltschutz. In verschiedenen Bodenschutzorganisationen auf nationaler als auch europäischer Ebene schätzt man sie aber nicht nur für ihre Expertise, sondern auch für ihr Engagement, Wissenschaft verständlich zu machen und Menschen für den Schutz unserer Erde zu begeistern. Auch Prof. Dr. Peter Grathwohl ist ein echter Insider in Sachen Untergrund. Er lehrt und forscht am Geo-Umweltforschungszentrum der Uni Tübingen zum Thema Hydrogeochemie. Dort untersucht er, wie Stoffe durch Böden wandern und was das für unsere Umwelt bedeutet. Neben seiner international anerkannten Forschung bringt er langjährige Erfahrungen in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Vereinigungen mit. So kennt er zum Beispiel die Böden in Brasilien und China. Doch, keine Sorge, Fachchinesisch wird es heute nicht von ihm geben. So haben wir mit Gabriele Broll also eine Fachfrau für den Schutz unserer Böden und mit Peter Grathwohl jemanden, der die Bösewichter kennt, die unseren Böden den Garaus machen und weiß, was man tun kann, um sie zu vertreiben.
00:03:15: Musik
00:03:20: Klimahaus Bremerhaven: Gehen wir nochmal an den Anfang, wenden uns aber vom Blick auf den Boden zum Blick in den Boden. Du weißt sicher noch aus dem Biologieunterricht, dass Boden eine feste Struktur mit Poren, Gängen und Schichten hat. Fragen wir also unsere Expertin: Wenn wir den Boden nämlich mal als ein Gebäude betrachten, mit Kellern und Belüftungsschächten und Wasserleitungen. Wie wäre denn so ein gesunder Boden architektonisch aufgebaut, damit er überhaupt funktionieren kann?
00:03:50: Gabriele Broll: Ja, der Boden ist ja, kann man schon sagen, ähnlich wie ein Haus aufgebaut. Also es gibt ja mineralische Bestandteile, die also je nachdem, welches Gestein oder aus welchem Gestein der Boden sich entwickelt hat. Und wenn man so will, sind die Häuser die Räume in einem Haus kann man ja auch verstehen als Teilbereiche in einem Boden zum Beispiel große Poren, in denen sich Wasser bewegen kann, von oben nach unten bewegen kann. Oder kleinere Poren, wo sich auch Wasser in die andere Richtung bewegen kann. Also dass ein Haus muss ja auch gut belüftet sein, Also es muss Sauerstoff in einem Haus sein. Und so ist es im Boden auch, wenn bestimmte Prozesse ablaufen sollen.
00:04:47: Klimahaus Bremerhaven: Eins haben Häuser ja auch noch gemeinsam. Sie müssen gut temperiert sein. So ein gesunder Boden hat ja eine bestimmte Eigenwärme und eine Eigentemperatur.
00:04:57: Gabriele Broll: Natürlich kann auch Wärme entstehen oder es laufen ja auch chemische Prozesse ab. Aber das ist alles in einem, ja in einer Größenordnung, die ja unter normalen Bedingungen halt eben abläuft. Also da ist, da ist vielleicht eine Veränderung natürlich jetzt. Also auch wenn man den Klimawandel da wieder berücksichtigt, dann haben wir natürlich eine Erhöhung der Temperatur und auch das wirkt sich aus auf den Boden, auch auf die Aktivität der Bodenorganismen. Also wenn es wärmer wird und der Boden über genügend Feuchtigkeit verfügt, dann laufen Prozesse dort etwas schneller ab. Aber wenn nicht genügend Wasser da ist und der Boden austrocknet, dann laufen eben andere Prozesse ab. Dann können die Organismen nicht so gut oder viele Organismen halt nicht so gut arbeiten.
00:05:56: Klimahaus Bremerhaven: Bleiben wir noch mal bei dem Bild mit dem Gebäude. Und nehmen wir die Daten zur Bodenqualität in Deutschland noch mal dazu. Wo sind bei unseren Böden eigentlich aktuell gerade die größten Risse im Fundament?
00:06:09: Gabriele Broll: Ja, Probleme oder Bodengefährdungen gibt es verschiedenste. Also es gibt einerseits natürlich die Schadstoffe, die in den Boden hineingelangen können und da gab es in der Vergangenheit Schadstoffe wie Schwermetalle, die uns große Probleme gemacht haben. Und es gibt immer wieder neue Schadstoffe, also zum Beispiel Plastik natürlich, was uns nicht nur beim Wasser, sondern auch beim Boden Probleme bereitet. Und dann gibt es darüber hinaus aber viele Veränderungen durch nicht angepasste Landnutzung, zum Beispiel im agrarischen Bereich, also durch schwere Landmaschinen etwa, dass Boden verdichtet wird oder dass es zu Erosionserscheinungen kommt und durch Wasser oder Wind eben Bodenpartikel dann ausgetragen werden. Und viele, viele andere Einflüsse, die man noch aufzählen könnte. Es hatte hat sich natürlich etwas verändert. Es gibt immer wieder neue Entwicklungen oder auch es gibt Verschlechterungen, aber je nachdem wo man sich befindet, also ob man sich jetzt in Deutschland oder in Europa, etwa in Südeuropa befindet, da spielt die Erosion eine noch viel größere Rolle. Also wir sind in Deutschland noch in einer relativ glücklichen Lage, weil wir also von der von den klimatischen Bedingungen, auch von dem Ausgangssubstrat, der Bodenbildung, von dem Gestein her, also relativ gute Böden, also große weite Flächen sehr guter Böden haben, die es nun gilt zu schützen. Also wir haben große Flächen, die mit Wald bedeckt sind. Und man muss immer sehr auch die Landnutzung betrachten. Also wenn man auf verschiedene Bodengefährdungen schaut.
00:08:16: Musik
00:08:20: Klimahaus Bremerhaven: Bodengefährdung ist das Stichwort, bei dem wir unseren zweiten Experten dazuholen, Peter Grathwohl. Ihn habe ich zunächst gefragt, welche Gefahrenstoffe bisher im Boden identifiziert wurden?
00:08:32: Peter Grathwohl: Also man muss eigentlich eher fragen, was eigentlich noch nicht im Boden identifiziert worden ist. Also Boden ist ja ein Material, was auch aus der Natur kommt, aus der Geologie und kann natürlicherweise zum Beispiel schon Schwermetalle enthalten. Aber alles, was dann über die Bodenbearbeitung und Bodennutzung reinkommt, also Schwermetalle über Düngemittel zum Beispiel Polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe aus der Atmosphäre, die stammen aus Verbrennungsprozessen und sind praktisch unvermeidbar. Und dann natürlich auch Pestizide, Ja, die wurden zwar zum großen Teil abgebaut worden, aber ein kleiner Rest bleibt halt immer zurück. Und das aktuelle Beispiel, das aktuellste, was es gibt, das sind die perfluorierten Verbindungen, also die sogenannten Ewigkeitsschemikalien, mit denen wir jetzt auch in Böden zu tun haben.
00:09:22: Klimahaus Bremerhaven: Wie kommen die da hin?
00:09:23: Peter Grathwohl: Ja, die kamen eigentlich in guter Absicht hin. Also man hat diese Chemikalien ja über die Schäume lokal, dann auch mit Grundwasserkontaminationen, das kennt man schon lang, in die Böden flächenhaft sind die reingeraten über Kompostanwendungen und die Komposte wurden mit recycelten Papierfasern versetzt und die beschichteten Papiere haben eben diese PFAS-Verbindungen drin. Und so gelangt das über die Kreislaufwirtschaft letztendlich in die Böden.
00:09:56: Klimahaus Bremerhaven: Was Peter Grathwohl da anspricht sind die PFAS, über die du sicher schon einiges gehört hast. Wenn du ein Chemie-Fan bist, weiß du sicher, was das bedeutet, für uns anderen möchte ich hier nicht zu sehr in die Tiefe gehen. Nur soviel: PFAS heißen korrekt ausgesprochen Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, deren englische Bezeichnung uns die Abkürzung PFAS liefert. PFAS ist nicht natürlich sondern wird industriell hergestellt. Der Stoff wurde durch Zufall gefunden, als Chemiker in den 1930er Jahren mit dem damals neuen Kühlmittel für Kühlschränke, dem FCKW, hantierten und es unbeabsichtigt mit einem anderen Stoff vermischten. Der erwies sich aber als absolut unverwüstlich – eine Ewigkeitschemikalie eben. Du kennst Teflon in Pfannen? Seit 1948 ist das einer der Anwendungsbereiche von PFAS. Tatsächlich findest du PFAS mittlerweile nahezu überall. Und leider auch in beschichtetem Papier, was eigentlich völlig unnütz ist, denn das soll ja nicht unzerstörbar bleiben, sondern verrotten. Fragen wir Peter Grathwohl, was man tun kann, um Belastungen und Giftstoffe wieder aus dem Boden herauszubekommen. Kann man überhaupt etwas machen?
00:11:12: Peter Grathwohl: Naja, eigentlich nicht. Also wenn wir von Bodenkontaminationen reden, dann sind das ja großflächige Kontaminationen. Und wenn das gerade mit den PFAS im Oberrheingraben bei Rastatt Baden-Baden, wenn man sich das anschaut, das sind dann sechshundert Hektar. Also man kann in der Fläche die Böden eigentlich nicht sanieren. Man kann vielleicht drauf warten, dass es dann mit der Zeit verschwindet. Aber das zieht sich natürlich ewig hin. Also man kann da kaum mehr was machen. Also die, die wichtigste Nachricht ist, eine Bodenkontamination zu vermeiden, weil es ist praktisch nicht reversibel, zumindest nicht in vielen Generationen.
00:11:53: Klimahaus Bremerhaven: Ein ganz anderes Beispiel. Auf der Autobahn fällt ein Laster um. Der hat Speiseöl getankt und es läuft aus. Das hat man ja immer mal wieder in den Nachrichten. Ist das eine Kontamination, wenn so ein Speiseöl, das ich mir vorstelle, als ein natürliches Lebensmittel in die Böden sackt? Passiert da was Unangenehmes mit dem Boden?
00:12:16: Peter Grathwohl: Ja, wenn so ein lokaler Unfall passiert, dann ist es jetzt weniger der Boden, sondern es ist dann eher das Grundwasser. Also dass das Speiseöl dann ins Grundwasser läuft. Sie können auch ein Milchlaster nehmen, wenn die Milch ins Grundwasser läuft. Aber Grundwasser ist für uns per se geschützt in Deutschland. Das sollen keine Stoffe zugeführt werden, die nicht natürlicherweise schon drin sind. Also auch keine Milch oder kein Speiseöl.
00:12:40: Klimahaus Bremerhaven: Ja. Okay. Noch mal zurück zu einem verunreinigten Boden. Gibt es einen Bereich in der Forschung, der daran arbeitet, wie man verunreinigte Böden noch besser oder überhaupt reinigen kann? Ist das ein Thema für Biochemiker oder Hydrogeologen wie dich?
00:13:02: Peter Grathwohl: Ja, das gibt es natürlich schon. Also man hatte ja früher auch relativ große Belastungen, wie PCB zum Beispiel.
00:13:10: Musik
00:13:11: Klimahaus Bremerhaven: Kurze Erläuterung: PCB steht für Polychlorierte Biphenyle, das sind organische Chlorverbindungen. Sie wurden schon 1876 erstmals hergestellt, seit 1929 großflächig. Mittlerweile weiß man: PCB ist hochgiftig. Glücklicherweise ist es seit 2001 weltweit verboten, doch es hat sich auf unserem Planeten in Gewässern, Tieren, im Boden und der Atmosphäre leider schon ausgebreitet.
00:15:14: Peter Grathwohl: Also man hat da Bodenwaschverfahren entwickelt. Die sind aber sehr aufwendig. Man könnte auch Böden thermisch behandeln. Also um die Stoffe über hohe Temperaturen wieder rauszukriegen. Aber das ist dann nachher nicht mehr der Boden, den man vorher hatte. Bei der thermischen Behandlung wird dann auch die organische Substanz zerstört. Was man immer noch untersucht, was man relativ oft anwendet in größeren Flächen, das ist dann die sogenannte Phytoremediation. Da versucht man es also über Pflanzen. Also es gibt bestimmte Pflanzen, zum Beispiel Pappeln, die Stoffe aus dem Boden rausziehen. Vor allem übers Wasser. Wenn Sie also viel Wasser verbrauchen, dann kriegen Sie auch Stoffe, die sich im Wasser im Boden gelöst haben in die Pflanze und können das dann über die Pflanzen entsorgen. Das ist aber auch eine sehr langfristige Maßnahme.
00:14:32: Klimahaus Bremerhaven gGmbH: Über welchen Zeitraum reden wir da?
00:14:35: Peter Grathwohl: Naja, solange halt ein Baum wächst, also über viele Jahre, Jahrzehnte. Also, wenn solche Kontaminationen auftreten, dann gehen die nicht von heute auf morgen wieder weg. Also gibt es keinen Quick Fix. Wir sagen immer, die Böden haben ein langes Gedächtnis.
00:14:51: Klimahaus Bremerhaven: Hm. Und wenn ich es richtig erinnere, hast du gesagt, wir bekommen es auch nicht wieder raus. Also, ewig ist ewig.
00:14:58: Peter Grathwohl: Ja, das ist relativ kompliziert. Also die PFAS, die über die Papiere reinkommen, über das Papierrecycling. Das sind sogenannte Vorläufersubstanzen, das sind also ganz große Moleküle. Und wenn die dann auf die Äcker gelangen, dann werden die tatsächlich biologisch abgebaut. Aber beim biologischen Abbau, da fallen praktisch die Seitenketten ab. Und diese Seitenketten, also das natürliche Transformationsprodukt, die sind sehr stabil. Die lösen sich sehr gut im Wasser und können dann ins Grundwasser ausgewaschen werden. Deshalb hat man an diesen Standorten auch immer Grundwasserbelastung. Und das ist das Riesenproblem eigentlich, dass kontaminierte Böden eine Grundwasserbelastung verursachen. Und Vorläufer, die zersetzen sich. Also diese Vorläufersubstanzen, die bauen sich im Boden auch sehr langsam nur ab. Also da muss man damit rechnen, dass das Jahrzehnte geht. Als die Vorläufersubstanz zerfällt. Produziert mobile Transformationsprodukte, die das Grundwasser kontaminieren. Und die werden relativ rasch ausgewaschen. Das ist dann gut für den Boden, schlecht fürs Grundwasser. Aber die Vorläufersubstanzen zerfallen extrem langsam. Deshalb wird man sehr lange mit dem Problem zu tun haben.
00:16:17: Klimahaus Bremerhaven: Und schlaue Wissenschaftler sitzen doch sicher dran und überlegen, wie sie da dem den Garaus machen können, oder nicht?
00:16:25: Peter Grathwohl: Ja, also man probiert zurzeit gerade aus, da sind wir auch dran, ob man die Stoffe im Boden immobilisieren könnte, also dass man auch die Transformationsprodukte vielleicht besser im Boden hält, damit sie nicht ins Grundwasser gehen. Und das kann man dadurch machen, dass man zum Beispiel Aktivkohle könnte man reingeben, aber man kann auch, das nennt man heutzutage Biochar, das wäre praktisch Holzkohle, so ein natürliches Produkt, dass man sowas in die Böden einarbeitet und damit die Schadstoffe Immobilisiert. Dann gehen sie nicht ins Grundwasser. Das ist gut. Die gute Nachricht für das Grundwasser ist aber die schlechte für den Boden. Dann bleiben sie im Boden.
00:17:07: Musik
00:17:11: Klimahaus Bremerhaven: Du merkst schon: Die wichtigste Maßnahme ist die strikte Vermeidung von Kontaminationen. Das fällt in das Feld des Bodenschutzes, über das ich mich mit Gabriele Broll weiter unterhalten habe. Sie erklärt, was Bodenschutz leistet.
00:17:26: Gabriele Broll: Ja man schützt Boden ja, um die wichtige Leistung, die der Boden vollbringt, zu schützen. Also so wäre eben auch gesunder Boden zu definieren, dass er eben den Bodenzustand, dass der Bodenzustand so erhalten bleibt, dass Leistungen für die Menschen, für die Umwelt erbracht werden. Also das wäre zum Beispiel die Nahrungsmittelproduktion. Ja, wenn wir keine gesunden Böden haben, nicht genügend gesunde Böden, dann können wir auch keine gesunden Nahrungsmittel produzieren. Das wäre so eine der Leistungen, die der Boden vollbringt. Wenn man wieder bei dem Bild des Hauses bleiben wollen, also wenn man quasi das das Fundament sozusagen zerstört, dann ist eben kein Haus mehr da, dann ist kein Lebensraum mehr da. Das heißt also, der Mensch hat ja auch einen Lebensraum, genauso wie die Organismen im Boden oder den Boden als Lebensraum haben. Und wenn wir den Lebensraum Boden zerstören, dann zerstören wir unseren eigenen Lebensraum.
00:18:35: Musik
00:18:38: Klimahaus Bremerhaven: Lass uns vielleicht jetzt zum dem Klimawandel zuwenden. Dabei schauen wir ja eigentlich meistens nach oben, in die Luft oder auf Abgase aus Schornsteinen. Aber selten gucken wir nach unten, also auf den Boden. Kannst du uns erklären, welche Rolle der Boden im globalen Klimasystem spielt?
00:18:59: Gabriele Broll: Ja, er spielt eine wichtige Rolle, weil wir müssen den Kohlenstoffkreislauf eben betrachten und wo überall Kohlenstoff ist und wo überall das CO2 ist und das CO2 in der Atmosphäre. Das ist ja nun unser aller Ziel beim Klimaschutz, dass das CO2 in der Atmosphäre reduziert und der Boden kann oder spielt dabei eine große Rolle, weil er organischen Kohlenstoff enthält und er je nachdem auch wie man, wo man sich auf der Welt befindet, kann er eben unterschiedlich viel Kohlenstoff speichern. Und da ist ja wieder das bekannteste Beispiel und ich denke auch in der Gesellschaft - inzwischen hat sich diese Information wirklich gut verbreitet - dass besonders Moore ja sehr viel Kohlenstoff organischen Kohlenstoff in ihrem System halten können Und das können sie deswegen, weil wir dort eben eine Wassersättigung haben, also anaerobe Bedingungen, so dass da der Kohlenstoff im Boden gehalten wird. Und wenn man, wie man es früher eben häufig gemacht hat, Moore nutzt zum Torfabbau oder auch landwirtschaftliche Nutzung, dann wird eben Kohlenstoff, dieser organische Kohlenstoff, dann als CO2 in die Atmosphäre abgegeben. Und das versucht man ja heutzutage durch Wiedervernässung von Mooren da entgegenzuwirken. Also wenn die Moore wiedervernetzt werden, dann wird wieder mehr organischer Kohlenstoff festgehalten. Und da ist auch denke ich im Moment eine sehr gute Entwicklung, auch in Deutschland, weil wir ja das Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz haben, wo eben gerade die Wiedervernässung von Mooren sehr stark gefördert wird.
00:21:02: Klimahaus Bremerhaven: Ich habe gelesen, dass Moore nur drei Prozent der Landfläche auf der Welt bedecken, aber doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen speichern. Das ist ja eine irres Verhältnis.
00:21:17: Gabriele Broll: Ja, aber es kommt natürlich immer darauf an, wo sind diese Moore? Und in Deutschland haben wir da natürlich sehr, sehr viel Moore zerstört in der Vergangenheit. Und da versucht man jetzt eben mit den relativ wenigen Flächen, die dann noch übrig geblieben sind, dann jetzt da wieder etwas zu verbessern. Aber es ist natürlich so, dass viele Moore, etwa wenn ich nach Osteuropa schaue und da sind natürlich jetzt auch viele Moore, die auch zurzeit noch sehr stark genutzt werden. Aber wir haben auch in Deutschland gibt es auch noch Genehmigungen zum Torfabbau an einigen Stellen.
00:21:59: Klimahaus Bremerhaven: Das ist ja angesichts dessen, was Klimawandel für uns alle bedeutet, gar nicht nachvollziehbar, dass es erlaubt wird, Moore wirtschaftlich zu nutzen. Ist man sich da dieser Bedeutung nicht bewusst oder unterschätzt man die?
00:22:13: Gabriele Broll: Doch, doch, man ist sich schon bewusst. Aber das sind halt langfristige Verträge, die existieren, die dann eingehalten werden. Ja, aber. Aber in der Zukunft wird das sicherlich auslaufen.
00:22:25: Musik
00:22:30: Klimahaus Bremerhaven: Verlassen wir die Moore, gehen wir ins Eis. Ich kann das übrigens täglich tun, denn mein Büro liegt neben der Antarktis. Du wunderst dich? Naja, der Hauptausstellungsbereich im Klimahaus ist die sogenannte „Reise“ und die führt dich auf dem achten Längengrad einmal um die Erde durch verschiedene Klimazonen. Reisestation Nummer fünf: die Antarktis. Dort zeigen wir Permafrostboden bei Minus sechs Grad, brrr, das ist ganz schön kalt. Aber immer wieder ein Erlebnis. Hattest du schon das eiskalte Vergnügen? Aber zurück zum eigentlichen Thema: Moore, haben wir eben gelernt, haben eine große Relevanz für den Klimawandel. Dasselbe gilt für Permafrostboden und ich frage Gabriele Broll, warum das so ist.
00:23:13: Gabriele Broll: Ja, durch den Permafrost ist eben auch in diesen Böden, also in der Arktis oder auch in der Antarktis oder auch in vielen Hochgebirgsstandorten, aber das spielt also flächenmäßig nicht so eine große Rolle wie etwa in der Arktis. Dort steckt eben sehr, sehr viel Kohlenstoff auch im Boden und ist oder war gefroren. Permafrost bedeutet nicht immer, dass es gefroren sein muss, aber es muss immer unter null Grad sein. Es gibt auch Permafrost, wo man kein gefrorenes Wasser im Profil, im Bodenprofil sieht. Aber das sind natürlich riesige Flächen. Wenn man sich die Dimensionen für die Arktis einmal vorstellt und durch den Klimawandel und wir wissen ja, dass die Arktis erwärmt sich wesentlich schneller als andere Gebiete auf der Erde und dort taut natürlich dieser Permafrost inzwischen sehr, sehr stark auf. Und all dieser Kohlenstoff, der dort gespeichert ist, entweicht eben jetzt in die Atmosphäre als Kohlenstoffdioxid oder eben auch als Methan. Und dieser Prozess dort in der Arktis, den kann man so nicht stoppen. Das, das ist also man kann nur versuchen, insgesamt alle Maßnahmen zur CO2 Reduzierung in der Atmosphäre weiterhin zu forcieren, dass da etwas passiert. Aber ansonsten müssen wir uns auch sehr stark der Klimawandelanpassung widmen, weil diese Veränderungen. Man darf nicht sagen, das passiert in der Arktis, sondern es ist ja die Atmosphäre betroffen. Und wenn die Atmosphäre insgesamt betroffen ist und sich verändert, dann hat das Auswirkungen auch bei uns. Und das merken wir ja an den Extremen, die wir jetzt wie Starkregen etwa oder Hitzeperioden, dass sich etwas verändert. Und es ist nur das Problem, dass dort. Man kann da jetzt nicht einfach einen Riegel vorschieben und das wird also weiter. Dieser Prozess wird dort weiter ablaufen. Wir haben die Temperaturen Temperaturerhöhung nun mal, also sie wird ja leider nicht gestoppt.
00:25:49: Klimahaus Bremerhaven: Das heißt, wir schauen im Grunde dem Auftauen irgendwie so ein bisschen machtlos zu, oder? Also es gibt keine Wissenschaftler, die versuchen, das irgendwie wieder einzufrieren?
00:26:01: Gabriele Broll: Das funktioniert nicht. Wie will man das technisch machen und es wäre gar nicht finanzierbar Und das sind also riesige Flächen, Dimensionen, Tausende von Quadratkilometern. Und wenn man sich allein in Nordamerika, also die Gebiete in Kanada anschaut. Und dann gibt es die eben auch sehr, sehr großen Gebiete oder flächenmäßige Dimensionen in Russland, dass da passiert es ja ganz genauso. Und wir wissen, dass das Auftauen dort natürlich ganz genauso abläuft.
00:26:36: Musik
00:26:40: Klimahaus Bremerhaven: Okay. Also wir haben insgesamt auf der Erde die Verantwortung, dazu beizutragen, dass eben kein CO2 mehr, noch mehr als bislang schon, in die Atmosphäre gelangt. Und damit hängt auch zusammen, dass wir gucken, dass es unseren eigenen Böden, die ja eben dieser Kohlenstoffspeicher sind, dass es denen gut geht. Lass uns mal gucken, was die Gesellschaft und die Politik dafür tun. Mal abgesehen von Agrarreformen oder Bauvorschriften, es kann ja auch jeder normale Bürger kann was tun im eigenen Garten, auf dem Balkon oder beim Einkaufen. Wo würde für dich Bodenschutz im Alltag anfangen?
00:27:24: Gabriele Broll: Ja, ich denke, da gibt es schon einige Möglichkeiten. Also du hast ja gerade auch schon angesprochen, also gerade bei denen, die jetzt einen eigenen Garten haben oder auch sei es auch nur ein Balkon. Ja, man kann ja zum Beispiel eigenen Kompost herstellen und man sollte möglichst keinen Kompost kaufen, wo Plastik enthalten ist. Also wir haben ja das große Problem, dass bei den sehr häufig im Kompost eben Plastik ist und wenn man den aber selber produziert, wenn man die Möglichkeit hat, ist das zum Beispiel eine sehr gute Sache. Und ich denke auch, dass so insgesamt das Bewusstsein in den letzten Jahren doch zugenommen hat, weil wir verstärkt über Ernährung und gesunde Ernährung sprechen und da auch so ein bisschen. Es gibt so Renaissance der Schulgärten zum Beispiel, dass also auch gerade da wirklich das Bewusstsein auch gerade bei der jungen Elterngeneration und in der schon in der Grundschule solche Dinge doch inzwischen stärker einbezogen werden. Also dass einfach da auch Kinder schon wieder stärker auch damit die sowieso Interesse haben, also in jungen Jahren sowieso ja da kein Problem ist, also diese keine Bedenken Boden anzufassen und dass man da eben dieses Bewusstsein dann stärkt. In der Hoffnung, dass dann auch im Erwachsenenalter dann entsprechend dieses Bewusstsein noch vorhanden ist. Und eine zweite Sache vielleicht als Beispiel. Also ich finde sehr erfreulich, dass diese vielen Maßnahmen inzwischen, die auch durch Bürgerinitiativen etwa entstehen, zur Entsiegelung. Ja, also ich glaube, das Bewusstsein ist inzwischen wirklich stärker geworden, dass wir darauf achten müssen, nicht noch mehr unsere Böden zu versiegeln, weil sie genau dann diese wichtigen Funktionen der Kohlenstoffspeicherung, der Wasserspeicherung nicht erfüllen. Und dass das wirklich viele spannende, interessante Entsiegelungsmaßnahmen da angestoßen werden, auch schon wirklich initiiert von den Bürgern selber. Oder auch Protest als Bürgerinitiative, wenn wieder große Gewerbegebiete ausgewiesen werden, dass man und da ist es wichtig, natürlich ist so etwas nötig Wir brauchen, wir brauchen Wohnungen, wir brauchen Gewerbe, was sich ansiedeln kann. Aber wichtig ist zu schauen, welche Böden werden da versiegelt. Denn wenn dann Baumaßnahmen stattfinden sollen, dass man sich darüber im Klaren ist, dass es unterschiedliche Böden gibt und man da vorher schauen sollte, dass man nicht die für uns wichtigsten Böden, etwa die versiegeln, die etwa für die Nahrungsmittelproduktion sehr wichtig sind.
00:30:20: Klimahaus Bremerhaven: Du hast es eben angesprochen, wenn ich mich als normaler Bürger engagieren möchte für den Bodenschutz - gibt es Verbände, Vereine, wo ich dann reingehen würde.
00:30:29: Gabriele Broll: Als Bürger, denke ich, gibt es also. Es gibt verschiedene Organisationen, wo man sich engagieren kann. Also da gibt es Verbände, die, wo sich die Leute, die meinetwegen in Ingenieurbüros arbeiten oder in der Verwaltung arbeiten, zusammenschließen im Bundesverband Boden. Wenn ich mich als als Bürger engagieren will, dann denke ich, gibt es viele Möglichkeiten. Vielleicht auch, wo man sowieso schon engagiert ist, etwa in verschiedenen Naturschutzorganisationen, wo immer mehr Bewusstsein auch dafür ist. Und das eine sehr erfreuliche Entwicklung der letzten Jahre. Dass der Boden dort auch stärker mit einbezogen wird und und. Es gibt viele Initiativen, wo man speziell auch. Jetzt sich mit Ackerböden oder Waldböden, wo man sich da engagieren kann. Also da ist eine Vielfalt eigentlich an Angeboten, je nachdem, wo man sich am meisten für interessiert. Und ich kann sehr empfehlen eine Seite, die heißt ganz einfach bodenwelten.de, die es schon seit einigen Jahren gibt, wo gerade also für interessierte Bürger da jede Menge Anregungen sind oder auch Möglichkeiten, wo man sich dann engagieren kann oder wo man es auch selber zu Hause umsetzen, etwas für den Bodenschutz tun kann.
00:32:06: Klimahaus Bremerhaven: Wunderbar. Den Link nehme ich selbstverständlich in die Shownotes auf. Bei der Recherche habe ich herausgefunden, es gibt die Kommission Bodenschutz am Umweltbundesamt, den Bundesverband Boden, über den du schon gerade kurz gesprochen hat, dessen Präsidentin du ja auch selbst warst, und die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft. Wenn wir die drei mal sortieren wollen, wer macht da eigentlich was?
00:32:28: Gabriele Broll: Ja die deutsche Bodenpolitik. Gesellschaft ist die Gesellschaft der derjenigen, die in der Forschung tätig sind und die natürlich auch international vernetzt ist. Es gibt so was natürlich auch auf internationaler Ebene und die meisten anderen oder viele andere Länder auf der Erde haben auch ihre eigenen nationalen Gesellschaften. Also alles das, was an Forschung oder all diejenigen, die in irgendeiner Form Forschung zum Boden machen, finden sich da wieder. Und der Bundesverband Boden ist eben das, was ich eben sagte der Verband derjenigen, die beruflich mit diesem Thema Boden und Bodenschutz zu tun haben. Also in der Verwaltung oder eben in der Praxis in Ingenieurbüros. Und die Kommission Bodenschutz ist ein Gremium, das über das Umweltbundesamt das Umweltministerium berät in Fragen des Bodenschutzes, wo also Experten zusammenkommen und beratend tätig sind zum Thema Bodenschutz in Deutschland.
00:33:36: Klimahaus Bremerhaven: Apropos Politik Wo stößt man eigentlich in der politischen Praxis auf die dicksten Bretter, wenn man versucht, Bodenschutz voranzubringen?
00:33:45: Gabriele Broll: Ja, das ist natürlich immer eine schwierige Frage. Wenn man es also erst einmal positiv sehen sollte, ist es so, dass wir in Deutschland ja einen Bundesbodenschutzgesetz haben und das erst mal schon mal im Vergleich zu vielen anderen Ländern in Europa sehr gut ist und schon viele Jahre existiert. Insofern ist also eine Gesetzgebung da. Und was politische Umsetzung angeht, ist das immer schon mal eine gute Grundlage. Und es steht aber auch eine Novellierung dieses Gesetzes an, die notwendig ist, weil sich natürlich auch immer jetzt für den für die Vorsorge hinsichtlich des Bodenschutzes da mehr getan werden muss. Und da kommt es auch. Es ist gerade eine ganz gute Entwicklung. Auch, dass es ein neues europäisches Gesetz gibt, wo es um den Bodenschutz geht in Europa, wo der Zustand der Böden erfasst werden soll, erst einmal, um dann langfristig eben bestimmte Bodengefährdungen auch abschätzen zu können, um dann auch etwas dagegen zu unternehmen. Das heißt also, diese europäische Gesetzgebung wird dazu führen, dass es eben in Deutschland auch umgesetzt wird. Und diese Diskussionen laufen jetzt im Moment und das hilft sehr eben für den Bodenschutz im Bereich der Politik. Und das ist natürlich immer schwierig ist, weil es immer Interessenskonflikte gibt. Boden gehört immer jemandem. Und das ist eigentlich dann immer bei der bei der Umsetzung auch im Sinne des Bodenschutzes natürlich ein Problem. Und wenn man es vergleicht mit den anderen Schutzgütern, also die anderen Schutzgüter, während die Luft und Wasser, da akzeptiert jeder sofort, dass das Gemeingut ist. Wir alle brauchen saubere Luft und sauberes Wasser oder reine Luft und sauberes Wasser zum Überleben und Boden brauchen wir auch alle zum Überleben. Nur dieser Boden gehört immer jemandem und leider wird häufig vergessen. Es steht schon in unserem Grundgesetz Artikel vierzehn Eigentum verpflichtet. Und dieses Eigentum verpflichtet, das wird häufig bei dieser Diskussion vergessen. Diese Diskussion, inwieweit man auch sein Eigentum eben sorgsam behandeln muss und eben versuchen oder verhindern muss, dass es durch Schadstoffe belastet ist und dass es letztendlich irgendetwas auf diesem Boden, was also jemandem gehört, passiert, was dann auch der Allgemeinheit schaden könnte. Und da, das ist klar, dass es also immer Ausgangspunkt für Diskussionen die oder Interessenskonflikte, die man dann jeweils lösen muss.
00:37:01: Klimahaus Bremerhaven: Die Eigentumsverhältnisse machen sich am Boden zu einer ganz besonderen Ressource in unserem Lebensraum. Im Gegensatz zu Luft und Wasser. Da hast du völlig recht. Magst du zum Abschluss noch einen Appell an unsere Hörer loswerden, wenn es um Bodenschutz oder das Verhältnis zum Boden gibt?
00:37:21: Gabriele Broll: Ja, ich würde mir so ein Wunsch. Also ich denke Wunsch ist vielleicht etwas besser als ein Appell oder auch eine Aufmunterung, sich mit dem Boden zu beschäftigen. Also man weiß ja also nur das, was man kennt, das schützt man auch. Und was man vielleicht auch dann lernt, zumindest zu achten, weil es halt schützenswert ist. Und da gibt es eben verschiedene Möglichkeiten. Und eben wurde ja schon angesprochen na ja, so die eigene. Also wenn man selber etwas pflanzt und etwas erntet, dann kommt man mit dem Boden zusammen. Man kann sich aber auch sehr gut dem Boden nähern. Also jetzt, wir haben sehr viele Aktivitäten. Schon viele Jahre gibt es zum Thema Kunst also, dass man sich etwa, wenn man sich verschiedene Böden anschaut, die verschiedenen ästhetischen Aspekte Boden kann sehr, sehr schön in Anführungszeichen aussehen. Es gibt sehr, sehr viele Aktivitäten in dieser Richtung, dass man einfach so die Bandbreite der Möglichkeiten, sich mit Boden zu beschäftigen oder dem Thema zu nähern, ist eben sehr breit und man sollte auf jeden Fall oder mit den Organismen. Also das ist auch etwas, was natürlich auch gerade Kinder immer wieder begeistert, aber durchaus auch Erwachsene. Wenn man sich mit den Organismen selber einmal etwas genauer beschäftigt, dann merkt man, dass diese Organismen eben vielleicht genauso interessant sind wie die Organismen, die auf dem Boden herumlaufen.
00:39:12: Musik
00:39:17: Klimahaus Bremerhaven: Wenn du das nächste Mal durch das Klimahaus Bremerhaven gehst, dann halte doch auch mal die Augen offen für die verschiedenen Bodenbeläge in den Reisestationen. So kannst du in der Sand- und Steinwüste im Niger, am Sandstrand von Samoa und am Permafrostboden der Antarktis verstehen, wie prägend die Bodenbeschaffenheit für große Teile unserer Welt sind und wie andersartig die Herausforderungen für die Menschen vor Ort sind.
00:39:41: Musik
00:39:43: Klimahaus Bremerhaven: Zum Schluss dieser Folge möchte ich dir eine kleine Hausaufgabe mitgeben, die sich an den Anfang unserer Folge anschmiegt. Wenn du das nächste Mal das Klimahaus verlässt, im Park bist oder im eigenen Garten stehst: Zieh‘ für fünf Minuten die Schuhe aus. Geh barfuß über die Wiese, spüre den echten Naturboden unter deinen Füßen und mach dir bewusst, was dieses faszinierende ‚Gebäude‘ unter uns gerade alles leistet. Wenn du magst, mach doch ein Foto von deinen Füßen im Grünen, poste es auf Instagram und verlinke uns unter dem Hasthag #GradWandelBoden. Lasst uns gemeinsam zeigen, dass uns der Boden unter den Füßen nicht egal ist!
00:40:23: Musik
00:40:28: Klimahaus Bremerhaven: Das war unser Deep Dive zum Thema Boden. Du kennst jetzt den Boden als Haus, das unter verschiedenen menschengemachten und natürlichen Belastungen leidet. Leider haben Böden ein langes Gedächtnis, so dass eine großflächige Sanierung praktisch unmöglich ist oder Generationen dauert. Das ist insofern tragisch, als das Boden als gigantische Kohlenstoffspeicher Klimaretter sind. Wir haben uns besonders Moore angeschaut, die trotz kleiner Fläche eine enorme Wirkung auf das Klima haben. Und wir haben über die „tickende Zeitbombe“ Permafrostboden gesprochen – die im besonderen Maße dazu aufruft, global CO2 zu reduzieren. Du hast sicher Anregungen mitgenommen wie du dich für den Boden engagieren kannst. Und vor allem: Dir ist jetzt sicher noch bewusster als bisher, dass Boden unser aller Lebensgrundlage ist.Ich denke, du hast jetzt wieder viel Futter für die nächste Diskussion – ab daheim, im Kollegenkreis oder der nächsten Party. Danke, dass du bis hierhin wieder zugehört hast. In den Shownotes gibt’s noch viele spannende Links, denen du zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema folgen kannst.Für die nächste Folge von GradWandel vertiefen wir das Thema noch und gehen in den Wald und auf das Feld. Dort schauen wir uns dort an, wie moderne Forst- und Landwirtschaft der Herausforderung Klimawandel begegnet. Da du sicher Sommerferien genießt und unverplante Zeit hast, möchte ich die Chance nutzen und dir die bisherigen Folgen von GradWandel mal ans Herz legen. Unsere erste Staffel hat fünf Folgen, in denen es um Klimakommunikation geht und die Emotionen, die der Klimawandel auslöst. In jeder Folge ist auch eine Expertin zu Gast, die dir Tipps gibt, wie du ins Handeln kommst. Die zweite Staffel umfasst sechs Folgen und erzählt die alles zu Extremwetter. Ich mache jetzt eine längere Sommerpause. Wir hören uns wieder am 29. September. Bis dahin – Tschüß.
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